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Klima Politik

Warum Corona nicht dem Klima hilft

Von morgens bis abends dreht sich im Moment alles um Corona. Wir werden bombardiert mit Infektionszahlen, Mutanten und immer erweiterten Lockdown-Regelungen. Es ist bekannt, dass das Virus für Wirtschaft und Gesellschaft schädlich sind. Das größte Problem der Pandemie besteht jedoch in einem anderen Zusammenhang: es geht nicht nur um die Pandemie, sondern auch um das, was dahinter steckt.

Forscher*innen der Universität Cambridge, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Universität Hawaii-Manoa sind sich einig, dass die Corona-Pandemie unmittelbar ein Ergebnis der Klimakrise ist. ,,Wir wissen, dass der Klimawandel die Übertragung von Viren in Wildtieren auf den Menschen beschleunigt", sagt einer der Forscher*innen.

Der Klimawandel hat dementsprechend nicht nur Auswirkungen auf das Wetter, sondern auch auf bestimmte Biotope. Demnach sind globale Treibhausgasemissionen die Ursache für die Veränderung des Biotops im vermeintlichen Ursprungsort in Südchina. Diese Veränderung bietet den idealen Raum für die Verbereitung von Fledermausarten, sowie von Coronaviren. Diese sogenannten ,,Zoonosen" werden durch die Verschiebung von Ökosystemen begünstig. Schon vor Jahren wurde gewarnt, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf die globale Gesundheit haben wird. Der Übergang von einer Pandemie in eine nächste ist deshalb nicht unwahrscheinlich.

,,Die wesentlichen Charakteristika der Corona-Krise lassen sich auf die globale Klimakrise übertragen", sagt der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, ,,die unerbittliche Gültigkeit der Naturgesetze; die kritische Bedeutung der Rechtzeitigkeit; die gelegentliche Notwendigkeit, alle Waffen, die man besitzt, ins Feld zu führen; die Bereitschaft, das Leben über das Geld zu stellen." Die Corona-Pandemie könnte aber auch womöglich einen Umschlag in unserer Politik herbeirufen. Laut Schnellnhuber ,,zeigt die Corona-Krise auf, dass, wie beim menschengemachten Klimawandel, ein Verlauf drohe, der sich mit den Standardpraktiken des politischen Geschäfts nicht mehr beherrschen lässt und es wichtig sei, den Rat der Wissenschaft ernst zu nehmen, bevor die Krise eskaliert."

Sowohl die Klima- als auch die Coronakrise sind gemeinsame Probleme, welche die ganze Gesellschaft etwas anbelangt. Ein ,,Klima-Corona-Vertrag" zwischen den Generationen ist im Interesse Schnellnhubers: ,,Man könnte es plakativ so ausdrücken: Wer achtlos das Virus weitergibt, der gefährdet das Leben der Großeltern. Wer achtlos CO2 freisetzt, gefährdet das Leben der Enkel." Das Wort des Tages lautet also Solidarität.

Denn es ist bekannt, dass beide Krisen vor allem soziale Krisen nicht. Häufig wird angenommen, dass die Auswirkungen einer Krise für jeden Menschen gleiche Folgen haben, doch dies entspricht nicht der Wahrheit. Meist werden die bereits vorhandenen Ungerechtigkeiten nur noch weiter bestätigt und sogar verschärft.

Wir können dieses Trauerspiel seit Anfang des Lockdowns jeden Tag beobachten: Beschäftigte in der Dienstleistungsbranche setzen sich hoher Ansteckungsgefahren aus, währenddessen haben Manager*innen die Möglichkeit von zuhause aus ihre Tätigkeiten weiter auszuführen. Die globalen Folgen sind dabei nicht außer Acht zu lassen. Es fehlt vielen Ländern an einer medizinischen Grundversorgung. Ein Ausbruch in Deutschland kann eingedämmt werden, sollte es einen bestätigten Coronafall in Moria auf Lesbos geben, so wären die Folgen fatal. Dieser Vergleich lässt sich auch auf die Klimakrise beziehen, denn Menschen im globalen Norden können besser Maßnahmen gegen starke Wetterveränderung vornehmen als Menschen im globalen Süden. Wir fordern ein angenehmes Leben für alle Menschen, egal wo sie geboren sind. Wir fordern Solidarität mit den körperlich und ökonomisch benachteiligten. Solidarität ist unverzichtbar und die Politik darf das auch nach der Pandemie nicht aus den Augen verlieren.

Um diese Solidarität im vollen und ganzen zu erreichen, braucht es einen Systemwandel. Grundsätzlich muss die Gesellschaft umstrukturiert werden. Wir müssen lernen, anders miteinander zu leben und zu wirtschaften. Wir müssen dem Kapitalismus den Rücken kehren und uns für ein System der Klimagerechtigkeit einsetzen. Wir brauchen ein System, welches die Bekämpfung der Erderwärmung ernst nimmt und soziale Ungerechtigkeiten abbaut.

Sehr viel Geld wird für die Bekämpfung der Pandemie verwendet. Eben genau dieses Geld sollte man in langfristige Konjunkturhilfen für den Klimaschutz investieren. ,,Die Finanzhilfen für den Wiederaufbau sollten streng an Klimaschutz-Investitionen gekoppelt werden, um dann wirklich dauerhaft die Pariser Klimaziele einhalten zu können.", so auch Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Der Co-Präsident vom Club of Rome und der Direktor vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung sagen dazu Folgendes: ,,Der Green Deal sollte Europas Marshall-Plan sein, der mehr Gesundheit, Wohlbefinden und gemeinsamen Wohlstand auf einem gesunden Planeten schaffe, damit wir wirklich bestärkt und widerstandsfähiger aus diesem Notfall hervorgehen können." Chef des Umweltbundesamtes Dirk Messner sagte im SWR: ,,Es wäre eine Verrücktheit, wenn wir die erste Krise bekämpfen und mit den Maßnahmen die zweite verschärfen."

Vielerorts wird leider auch die falsche Aussage getroffen, dass die Corona-Pandemie die Klimakrise in einem gewissen Ausmaß schon gestoppt hat. Die Luftqualität ist in smog-verhüllten Städte um einiges gestiegen und auch Tiere und Pflanzen sind in ihr natürliches Umfeld wieder gekehrt. Das verdanken wir dem Home-Office. Da viele Menschen nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren, ist der CO2-Ausstoß gesunken.

Es ist dennoch ganz deutlich, dass dies ein Pyrrhussieg ist. Nachholeffekte werden einsetzen und die Ausmaßen werden umso schlimmer werden. Kein Problem der Klimakrise ist gelöst. Es ist wahrscheinlicher, dass die Wirtschaft zu Lasten der Klimakrise wieder angekurbelt wird. ,,FDPPolitiker wollen den von der Bundesregierung im Klimapaket vereinbarten CO2-Preisaufschlag für Heizöl und Benzin verschieben und auch die Dünge-Verordnung aussetzen. Auch auf europäischer Ebene begründen Politiker aus Tschechien und Polen etwa ihren Widerstand gegen den European Green Deal mit der Corona-Krise." Zunächst gibt es also nur Scheinerfolge. Es ist und wird so bleiben:

,,Der Planet gehört auf die Intensivstation.